Der Körper spricht

Vor dem ersten Wort spricht der Körper.

Wir teilen uns ständig mit.

Mit unserer Haltung.
Mit unserem Blick.
Mit unserer Gestik.
Mit unserer Mimik.
Mit unserer Atmung.
Mit jeder Bewegung.

Andere Menschen nehmen diese Signale wahr.

Meist bevor wir es selbst realisieren.

Sie erkennen Unsicherheit.
Selbstvertrauen.
Anspannung.
Offenheit.
Ablehnung.
Zuwendung.

Auch Menschen mit schlechten Absichten lesen unsere Körpersprache.

Und reagieren darauf.

Wer Körpersprache versteht, erkennt Entwicklungen häufig früher.

Und wer den eigenen Körper besser versteht, kann bewusst Signale senden.

Körpersprache ist kein Talent.

Wie jede Sprache kann man sie lernen zu lesen und zu sprechen.

Denn selbstbewusste Körpersprache ist Selbstverteidigung.

Kontrollzentrum Kopf

Der Kopf ist das Kontrollzentrum deines Körpers.

Darin entstehen deine Gedanken.

Darin fallen deine Entscheidungen.

Darin beginnt jedes Handeln.

Wer seinen eigenen Kopf nicht kontrolliert, wird leichter von seinen Emotionen beherrscht.

Von Angst.

Von Wut.

Von Unsicherheit.

Von Stress.

Deshalb beginnt Selbstschutz im Kopf.

Es gibt einen Satz, den ich im Training oft wiederhole:

Wo der Kopf hingeht, geht der Körper hin.

Wer den Kopf bewegt, verändert Balance, Haltung und Bewegung des gesamten Körpers.

Der Kopf führt.

Der Körper folgt.

Dieses Prinzip begegnet uns ständig.

Im Alltag.

Im Sport.

Und natürlich auch in der Selbstverteidigung.

Der Kopf ist aber nicht nur das Kontrollzentrum unseres Körpers.

Er entscheidet auch darüber, ob wir uns von anderen kontrollieren lassen.

Menschen versuchen täglich, Einfluss auf die Gedanken anderer zu nehmen.

Durch Bewertung.

Durch Abwertung.

Durch Angst.

Durch Druck.

Durch Schuldgefühle.

Durch Einschüchterung.

Durch Manipulation.

Wer seine Gedanken selbstbewusst steuert, bleibt schwerer beeinflussbar.

Selbstbewusstsein und Resilienz entstehen nicht einfach so.

Sie wachsen mit Erfahrung.

Mit Training.

Mit bewussten Entscheidungen.

Der Kopf hat jedoch noch eine weitere Bedeutung.

Er ist der empfindlichste Teil unseres Körpers.

Deshalb lernen wir im Training, ihn zu schützen.

Und wir lernen zu verstehen, welche besondere Bedeutung der Kopf in einer körperlichen Auseinandersetzung besitzt.

Nicht um Gewalt zu suchen.

Sondern um Gewalt zu überstehen.

Selbst Schmerzen existieren nur im Kopf.

Erst unser Gehirn entscheidet, wie wir sie wahrnehmen und mit ihnen umgehen.

Wir trainieren eben nicht nur unseren Körper.

Wir trainieren unter Belastung.

Wir trainieren unter Stress.

Wir trainieren mit Schmerz.

Wir trainieren durch Abhärtung.

Wir trainieren Wahrnehmung.

Wir trainieren Haltung.

Wir trainieren Resilienz.

Unser Training fördert deine Fähigkeit zu handeln, zu entscheiden und Widerstand zu leisten.

Denn am Ende entscheidet nicht nur deine Kraft.

Sondern vor allem dein Kopf.

Training wirkt.

Jedes Training wirkt.

Nicht irgendwann.

Sondern von Beginn an.

Vielleicht nimmst du es zuerst nicht wirklich wahr.

Du stehst aufrechter.

Du gehst sicherer.

Du atmest ruhiger.

Du beobachtest aufmerksamer.

Du lebst bewusster.

Mit jeder Trainingseinheit veränderst du dich.

Du stärkst nicht nur deinen Körper.

Der gewöhnt sich an Anstrengung.

Sondern auch deinen Kopf.

Der entscheidet, ob du zum Training gehst.

Du lernst, unter Druck Entscheidungen zu treffen.

Du lernst, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.

Du erfährst, dass ein Fehler nicht das Ende, sondern der Anfang von Entwicklung ist.

Viele glauben, Selbstverteidigung beginne erst in dem Moment, in dem jemand angreift.

Das stimmt nicht.

Sie beginnt viel früher.

Im Training.

Dort entstehen die Automatismen, auf die du unter Stress zurückgreifst.

Nicht nur bei Gefahr.

Sondern auch im Alltag.

Du wirst bewusster.

Du erkennst früher.

Du bleibst ruhiger.

Du wirkst sicherer.

Andere Menschen nehmen wahr, wie du auftrittst.

Deine Außenwirkung verändert sich.

Genau deshalb verändert jedes Training Körper und Geist.

Nicht, weil es dich unbesiegbar macht.

Sondern weil es dir eben auch deine Verletzlichkeit zeigt.

Weil es dich Demut lehrt.

Und weil es dich trotzdem handlungsfähig werden lässt.

Jede Einheit wirkt.

Jede Wiederholung wirkt.

Jede Entscheidung, zum Training zu gehen, wirkt positiv.

Jede Entscheidung, nicht zu gehen, wirkt negativ.

Denn Training wirkt immer.

Ob du trainierst.

Oder nicht.

Dein Körper lügt nicht.

Dein Körper akzeptiert keine Ausreden.

Er lernt durch Wiederholungen.

Jede Bewegung, die du tausendmal trainierst, hinterlässt eine motorische Erinnerung.
Aus wiederholten Techniken werden Automatismen.
Aus Unsicherheit wird Handlungsfähigkeit.
Aus Nachdenken wird Reaktion.

Das nennt man Muskelgedächtnis.

Im Ernstfall denkt dein Körper nicht nach.
Er greift auf das zurück, was du ihm beigebracht hast.

Nicht auf das, was du gerne können würdest.

Sondern auf das, was du wirklich trainiert hast.

Deshalb entscheidet nicht der Tag des Angriffs über deine Reaktion.

Sondern die Tage, Wochen und Jahre davor.

Wer regelmäßig trainiert, reagiert oft schneller.
Bewegt sich meist besser.
Bleibt eher handlungsfähig.
Ist vorbereitet.

Viele Menschen hoffen, im Notfall über sich hinauszuwachsen.

Doch dein Körper lügt nicht.

Er ist der Spiegel deines Fleißes.

Unter Stress erfüllen wir selten unsere eigenen Erwartungen.

Die Realität offenbart die Wirkung unseres Trainings.

Sie verzeiht keine Ausreden.
Sie zeigt dir nur die Konsequenzen.

Bequemlichkeit ist keine Tat, sondern schlechter Rat

Bequemlichkeit fühlt sich angenehm an.

Sie spart Zeit.
Sie spart Kraft.
Sie spart Überwindung.

Deshalb mögen wir es einfach bequem.

Ich selbst bin monatelang nicht mehr in mein Lieblings-Fitnessstudio gegangen. Nicht, weil das Training dort schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil, das Clays in Zehlendorf gehört für mich zu den schönsten Studios in Berlin.

Der Weg war mir einfach zu weit geworden.

Heute trainiere ich wieder regelmäßig. Mindestens drei Mal pro Woche. Manche Woche werden es sogar sechs oder sieben Einheiten.

Nicht weil ich motivierter geworden bin.

Sondern weil „mein“ neues Studio nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt ist.

Manchmal entscheidet nicht der Wille über unser Handeln.

Sondern die Distanz.

Oder besser gesagt: unsere Wahrnehmung von Entfernung.

Beim Fitnesstraining zeigen sich die Folgen von Bequemlichkeit oft erst einige Jahre später.

Es gibt viele gute Studios. Wenn eines zu weit entfernt ist, findet sich meist ein anderes mit vergleichbarer Qualität und Ausstattung.

In der Selbstverteidigung sieht das ganz anders aus.

Realistisches Selbstverteidigungstraining findet man nur selten.

Sehr selten sogar.

Viele Angebote vermitteln Techniken.

Manche vermitteln Sport.

Einige vermitteln Show.

Nur wenige bereiten Menschen auf den Moment vor, in dem Angst, Stress und Gewalt jede Theorie verdrängen.

Deshalb lohnt sich auch ein weiterer Weg.

Eine Stunde mehr Fahrtzeit pro Woche ist kein Verlust.

Sie ist eine Investition.

Fitnesstraining verbessert deine Gesundheit.

Selbstverteidigung kann darüber entscheiden, ob du nach einer Gewalttat überhaupt noch gesund nach Hause gehst.

Deshalb sollte Bequemlichkeit niemals entscheiden, wo du Selbstverteidigung lernst.

Ein kurzer Weg ist angenehm.

Ein empathischer Trainer ist essenziell.

Ein realistisches Training ist ausschlaggebend.

Und deine Sicherheit sollte dir wichtiger sein als deine Bequemlichkeit.

Bequemlichkeit existiert nur im Kopf.

Nicht die Entfernung hält uns auf.

Sondern die Hürden, die wir uns wegen der Entfernung einreden.

Der kürzeste Weg ist deshalb nicht immer der beste.

Manchmal führt eben nur der längere Weg sicher ans Ziel.

Das Gift: Faulheit

Faulheit ist dein leiser Gegner.

Sie schreit nicht.

Sie bedroht dich nicht.

Sie greift dich nicht an.

Sie ist in dir und flüstert dir zu:

Heute mache ich mal eine Pause.

Morgen fange ich dann richtig an.

Ein Training weniger ist egal.

Genau darin liegt die Gefahr.

Faulheit wirkt nicht wie ein Schlag.

Sie wirkt wie ein Gift.

Langsam.

Unbemerkt.

Tag für Tag.

Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Ich kenne dieses Gift selbst gut.

Fast zehn Monate lang habe ich mein eigenes Fitnesstraining stark vernachlässigt. Natürlich war ich weiterhin auf der Matte. Ich habe unterrichtet, trainiert und Sparring gemacht.

Aber meine körperliche Fitness war offensichtlich schlechter geworden.

Auf der Matte hat mich vor allem meine Routine gerettet.

Der Körper funktionierte noch.

Die Techniken funktionierten noch.

Die Erfahrung war noch vorhanden.

Doch das Fundament fehlte.

Meine Belastbarkeit sank.

Mein Wohlbefinden verschlechterte sich. Geistig und körperlich.

Und ich musste feststellen:

Ich hatte mich an diese Bequemlichkeit gewöhnt.

Schaut euch das Bild zu diesem Beitrag an. Das bin ich. Kein perfekter Trainer, sondern ein Mensch, der beschlossen hat, den bequemen Weg wieder zu verlassen.

Diese Erkenntnis kam mir ausgerechnet in der Sauna.

Während ich schwitzte, entstand plötzlich ein Bild in meinem Kopf.

Ich schwitze gerade das Gift aus.

Das Gift, das Faulheit heißt.

Es infiziert nahezu alle Bereiche des Lebens.

Wer dauerhaft den einfachsten Weg sucht, verliert langsam die Fähigkeit, unbequeme Wege überhaupt noch zu gehen.

Selbstverteidigungstraining darf niemals bequem sein.

Denn die Realität ist im Notfall äußerst unbequem.

Eine kritische Situation fragt dich nicht, ob du heute willst.

Sie fragt auch nicht, ob du gestern trainiert hast.

Sie verlangt Leistung.

Sofort.

Deshalb muss man sich regelmäßig daran erinnern, dass Anstrengung nichts Negatives ist.

Anstrengung ist Training.

Anstrengung ist Entwicklung.

Anstrengung ist Leben.

Das gilt übrigens auch im klassischen Kampfsport.

Nach einer längeren Trainingspause müssen viele Wettkämpfer zunächst wieder Gewicht reduzieren und sich selbst disziplinieren.

Nicht, weil sie es nicht könnten.

Sondern weil sie sich erst wieder daran gewöhnen müssen, sich zu quälen.

Genau darin steckt eine wichtige Wahrheit.

Leistung beginnt oft dort, wo Bequemlichkeit endet.

Nach einer faulen Phase muss man nicht nur Muskeln aufbauen.

Man muss vor allem die richtige Mentalität und notwendige Disziplin zurückgewinnen.

Die Bereitschaft, wieder freiwillig das Unangenehme zu wählen.

Jede Trainingseinheit ist deshalb mehr als Bewegung.

Sie ist eine Entscheidung.

Eine Entscheidung gegen Bequemlichkeit.

Eine Entscheidung gegen Stillstand.

Eine Entscheidung gegen das Gift.

Der erste Gegner sitzt deshalb oft nicht vor uns.

Er sitzt in uns.

Nur dein Fleiß besiegt deine Faulheit.

Endgegner Ego

Warum dein großes Ego dich leichter angreifbar macht

Der gefährlichste Gegner ist oft nicht dein Gegenüber, sondern dein eigenes Ego.

Was ist ein Ego?

Ein gesundes Selbstbewusstsein ist elementar. Es gibt dir Selbstsicherheit, innere Ruhe und die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Ein ungesundes Ego hingegen braucht Bestätigung.

Es möchte Recht haben.

Es möchte stärker wirken als andere.

Es möchte bewundert werden.

Es möchte das letzte Wort haben.

Genau deshalb ist es leicht manipulierbar.

Wer dein Ego kennt, kann dich provozieren.

Wer dein Ego reizt, kann dich dazu bringen, etwas zu tun, was du eigentlich gar nicht wolltest.

Warum eskalieren so viele Alltagskonflikte?

Die meisten Konflikte beginnen nicht mit Gewalt.

Sie beginnen mit einem gekränkten Ego.

Ein Blick.

Ein Kommentar.

Eine empfundene Respektlosigkeit.

Ein unbedachtes Wort.

Plötzlich geht es nicht mehr um die eigentliche Situation.

Es geht nur noch um das eigene Ego.

Aus einer Kleinigkeit entsteht ein Streit.

Aus einem Streit wird Gewalt.

Das Ego ist leicht zu provozieren

Wer emotional auf jede Provokation reagiert, handelt nicht selbstbestimmt.

Er wird gesteuert.

Provokationen funktionieren nur, wenn sie ein Ego treffen, das ständig Bestätigung sucht.

Ein gesundes Selbstbewusstsein muss niemandem etwas beweisen.

Es entscheidet selbst, worauf es reagiert und worauf eben nicht.

Du bleibst selbstbestimmt und wirst nicht von deinem Ego getrieben.

Das Ego in der Selbstverteidigung

In der Selbstverteidigung kann ein großes Ego lebensgefährlich werden.

Sobald Gedanken wie diese auftauchen, übernimmt häufig das Ego die Kontrolle:

„Dem zeige ich jetzt, mit wem er sich angelegt hat.“

„Ich lasse mich doch nicht beleidigen.“

„Vor den anderen kann ich jetzt nicht nachgeben.“

Ab diesem Moment geht es nicht mehr um Selbstverteidigung.

Es geht um Selbstdarstellung.

Wer für sein Ego kämpft, verliert oft den Blick auf das eigentliche Ziel: die Situation gesund zu verlassen.

Die beste Selbstverteidigung ist nicht der gewonnene Kampf.

Die beste Selbstverteidigung ist, gesund nach Hause zu kommen.

Wenn Trainer ihrem Ego folgen

Auch Trainer sind davor nicht geschützt.

Ein großes Ego zeigt sich nicht nur im Verhalten gegenüber anderen.

Es zeigt sich oft auch in der ständigen Suche nach Anerkennung.

Immer der nächste Titel.

Der nächste Dan.

Das nächste Zertifikat.

Das nächste Foto mit einem bekannten Trainer.

Titel und Graduierungen können Ausdruck von Engagement und kontinuierlichem Lernen sein.

Sie ersetzen jedoch weder Kompetenz noch Erfahrung.

Gerade in der Selbstverteidigung besteht die Gefahr, dass Menschen für Urkunden trainieren statt für einen realen Notfall.

Ein Zertifikat bestätigt eine bestandene Prüfung.

Es beweist nicht, wie jemand unter Stress reagiert.

Es beweist nicht, wie jemand mit Angst umgeht.

Und es beweist nicht, ob jemand andere Menschen im Ernstfall wirklich schützen kann.

Wer sein Selbstwertgefühl ausschließlich aus Titeln bezieht, macht sich von ihnen abhängig.

Wer dagegen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt hat, akzeptiert Fehler, lernt daraus und entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Das Ego folgt leicht falschen Propheten

Ein großes Ego möchte hören:

„Du gehörst zu den Besten.“

„Unser System ist allen anderen überlegen.“

„Nur wir kennen die Wahrheit.“

Genau deshalb entstehen Personenkulte.

Nicht nur in der Selbstverteidigung.

Überall dort, wo Menschen lieber an Versprechen glauben als an überprüfbare Realität.

Ein gesundes Selbstbewusstsein braucht keine Helden.

Es sucht nach Wahrheit, nicht nach Bestätigung.

Ungesundes Ego oder gesundes Selbstbewusstsein?

Der Unterschied ist einfach.

Ein ungesundes Ego möchte gewinnen.

Ein gesundes Selbstbewusstsein möchte dazulernen.

Ein ungesundes Ego sucht Anerkennung.

Ein gesundes Selbstbewusstsein sucht Entwicklung.

Ein ungesundes Ego reagiert.

Ein gesundes Selbstbewusstsein agiert.

Fazit

Das Ziel der Selbstverteidigung ist nicht, Kämpfe zu gewinnen.

Das Ziel ist, Konflikte zu vermeiden, Gefahren frühzeitig zu erkennen und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Dafür braucht es kein großes Ego.

Es braucht Klarheit.

Es braucht Demut.

Und es braucht den Mut, sich selbst immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Denn am Ende gilt:

Ego verliert.

Selbstbewusstsein gewinnt.

Angst ist kein Hindernis. Angst ist ein Hinweis.

Viele Menschen glauben, Mut bedeute, angstfrei zu sein.

Das Gegenteil ist der Fall.

Wer keine Angst mehr spürt, erkennt Gefahren oft zu spät. Angst ist das Warnsignal unseres Systems. Sie macht uns aufmerksam. Sie schärft unsere Wahrnehmung. Sie weist uns darauf hin, dass etwas nicht stimmt.

Angst ergibt Sinn.

Das Problem beginnt dann, wenn deine Angst die Kontrolle übernimmt.

In einer Gefahrensituation reagiert der Mensch nicht immer mit Kampf oder Flucht. Viele Menschen erstarren einfach. Der Körper funktioniert noch, aber der Geist blockiert. Entscheidungen werden nicht getroffen. Handlungen werden nicht ausgeführt. Lebenszeit geht verloren.

Im Notfall kann es den Unterschied zwischen Gesundheit und Verletzung bedeuten.

Deshalb besteht Selbstverteidigung nicht darin, Angst zu eliminieren.

Sie besteht darin, Angst auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben.

Wer Selbstverteidigung trainiert, trainiert nicht nur Techniken. Er trainiert auch den Umgang mit Stress, Druck und Unsicherheit. Er lernt, die eigene Angst anzunehmen und zu kontrollieren.

Angst darf lenken.

Sie darf warnen.

Sie darf die Aufmerksamkeit erhöhen.

Aber sie darf nicht das Ruder völlig übernehmen.

Mahatma Gandhi formulierte es treffend:

„Fear has its use, but cowardice has none.“

Angst hat ihren Nutzen.

Feigheit keinen.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, was wir aus unserer Angst machen. Akzeptieren wir sie als Hinweis auf eine Gefahr? Oder lassen wir zu, dass sie uns lähmt?

Absolute Furchtlosigkeit ist weder realistisch noch erstrebenswert.

Handlungsfähigkeit trotz Angst hingegen schon.

Wer seine Angst akzeptiert, versteht und kontrollieren lernt, kann noch handeln, wenn es zählt.

Auch das ist Selbstverteidigung:
Entweder kontrolliert die Angst dich, oder du kontrollierst deine Angst.

Nur das Wesentliche zählt.

Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt.

Jeden Tag kämpfen unzählige Dinge um sie. Neueste Nachrichten, laute Werbung, soziale Medien, unterschiedliche Meinungen, alltägliche Sorgen, gesellschaftliche Erwartungen und weltweite Großereignisse. Ständig wird versucht, unseren Fokus auf dieses oder jenes abzulenken.

Das Problem dabei: Wer sich mit allem beschäftigt, verliert leicht das Wesentliche aus den Augen.

Gerade in Konflikt- und Gefahrensituationen wird das deutlich.

Viele Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf die falschen Dinge. Sie achten auf Worte statt auf Taten. Auf Lautstärke statt auf Verhalten. Auf Provokationen statt auf die tatsächliche Gefahr. Und lassen sich davon beeindrucken.

Nähert sich uns ein aggressiver Mensch und betritt unseren Nahbereich, konzentrieren sich viele automatisch auf dessen Gesicht. Sie starren auf die Augen, lassen sich von einem durchdringenden Blick beeindrucken oder reagieren emotional auf Beschimpfungen und Drohungen.

Doch genau dort liegt oft die Ablenkung vom Wesentlichen.

Entscheidend ist nicht, wie böse jemand schaut. Entscheidend ist, was er tut.

Wie bewegt sich sein Körper? Verkürzt er die Distanz? Verändert sich seine Haltung? Wo befinden sich seine Hände? Baut sich Spannung auf?

Die Körpersprache verrät oft mehr als Worte oder Mimik.

Wer seine Aufmerksamkeit bewusst vom Gesicht auf den gesamten Körper lenkt, erkennt wichtige Informationen früher. Gleichzeitig sinkt die Gefahr, sich von Einschüchterungsversuchen psychisch beeinflussen zu lassen.

Das gilt nicht nur in der Selbstverteidigung.

Auch im Alltag versuchen Menschen immer wieder, unsere Aufmerksamkeit zu lenken. Manche bewusst, manche unbewusst. Nicht jede Provokation verdient eine Reaktion. Nicht jede Meinung verdient unsere Energie. Nicht jede Ablenkung verdient unseren Fokus.

Wehrhaftigkeit bedeutet deshalb nicht nur, sich körperlich verteidigen zu können.

Wehrhaftigkeit bedeutet auch, die eigene Wahrnehmung bewusst zu steuern.

Wer entscheidet, worauf er seinen Fokus richtet, behält die Kontrolle über sein Denken und Handeln.

Deshalb gilt in der Selbstverteidigung wie im Alltag:

Konzentriere dich auf das Wesentliche.

Konflikt statt Kompromiss

Konflikte vermeiden, Kompromisse eingehen, Frieden bewahren. Das klingt zunächst vernünftig.

Doch im Notfall kann genau diese Haltung gefährlich werden.

Wer kompromissbereit ist, gilt als vernünftig, friedlich und erwachsen.
Wer Konflikte eingeht, wirkt dagegen oft stur, unbequem oder aggressiv.

Kompromisse haben ihre Berechtigung

Natürlich können Kompromisse verhärtete Fronten auflösen.

Natürlich können sie Beziehungen erhalten.

Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Kompromiss die beste Lösung ist.

Wenn ein Kompromiss mein Überleben sichert, werde ich ihn jederzeit eingehen.

Das Problem

Viele Menschen verwechseln Kompromissfähigkeit mit Wehrhaftigkeit.

Ein Kompromiss bedeutet immer, dass beide Seiten auf etwas verzichten.

Doch was passiert, wenn nur eine Seite nachgibt?

Was passiert, wenn die eigene Sicherheit, Würde oder körperliche Unversehrtheit gefährdet ist?

Dann wird aus einem Kompromiss eine gefährliche Kapitulation.

Nicht jeder Konfliktpartner will eine Lösung

Eine der gefährlichsten Illusionen besteht darin, anzunehmen, dass jeder Mensch an einer gemeinsamen Lösung interessiert ist.

Das ist nicht immer der Fall.

Einige Menschen wollen nicht verhandeln.

Einige Menschen wollen dominieren.

Einige Menschen wollen verletzen.

Wer bei einem Raubüberfall seine Wertsachen herausgibt, hat bereits einen Kompromiss angeboten.

Trotzdem endet ein Übergriff dadurch nicht automatisch.

Warum?

Weil es dem Täter manchmal nicht nur um Materielles geht.

Manchmal geht es um Macht.

Um Kontrolle.

Um Demütigung.

Um das eigene Ego.

Konfliktfähigkeit statt Konfliktvermeidung

Selbstverteidigung bedeutet deshalb nicht, Konflikte zu suchen.

Aber sie bedeutet, Konflikte aushalten zu können.
Und in Konflikten zu bestehen.

Wer seine Grenzen schützen will, muss akzeptieren, dass andere Menschen diese Grenzen nicht immer respektieren werden.

Ein Nein kann Widerspruch erzeugen.

Eine Grenze kann Ärger auslösen.

Widerstand kann einen Konflikt hervorrufen.

Das macht die Grenze nicht falsch. Sondern sogar notwendig.

Resilienz als Basis

Konfliktfähigkeit braucht Resilienz.

Wer bei jedem Widerstand einknickt, wird seine Grenzen dauerhaft nicht verteidigen können.

Wer hingegen lernt, Unbehagen, Druck und Ablehnung auszuhalten, gewinnt Handlungsspielraum.

Nicht jeder Konflikt muss gewonnen werden.

Aber wir sollten in der Lage sein, einen Konflikt auszuhalten, wenn unsere Sicherheit, Freiheit oder Würde auf dem Spiel stehen.

Denn Konfliktfähigkeit ist trainierbar.

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