Wut verliert

HOMIE im Training

Wut ist ein starkes Gefühl.

Wut kann dich beherrschen.

Und Wut kann dich blind machen.

Das kann im Notfall verdammt gefährlich werden.

Wenn du wütend bist, unterwirfst du dich vielleicht nur noch diesem Gefühl.

Du willst Rache.

Du suchst den Kampf.

Vielleicht willst du deinem Gegenüber dann wehtun.

Deine Wut ist allerdings keine erfolgversprechende Strategie.

Und schon gar kein Selbstverteidigungskonzept.

Wer wütend wird, riskiert, den Überblick zu verlieren.

Die Wahrnehmung verengt sich.

Entscheidungen werden impulsiver.

Aus einem Konflikt, den du vielleicht hättest vermeiden können, wird plötzlich eine körperliche Auseinandersetzung.

Und aus einer körperlichen Auseinandersetzung möglicherweise ein Kampf ums Überleben.

Nur weil deine Emotionen dein Handeln bestimmen.

Dabei ist es vollkommen egal, ob deine Wut berechtigt ist.

Natürlich darfst du wütend werden.

Wenn jemand dich bedroht.

Wenn jemand Opfer sucht.

Wenn jemand deinem Kind etwas tun will.

Aber deine Wut darf nicht dein Handeln bestimmen.

Dein Ziel entscheidet. Nicht deine Emotion.

Und das Ziel im zivilen Selbstschutz ist immer, einen Notfall möglichst unbeschadet zu überstehen.

Indem du eine gefährliche Situation möglichst schnell verlässt.

Manchmal bedeutet das, einfach nachzugeben.

Manchmal bedeutet es, schnell wegzulaufen.

Manchmal bedeutet es, dich mit aller notwendigen Konsequenz zu wehren.

Wut jedoch kann dich dazu bewegen, weiterzumachen, obwohl du längst flüchten könntest.

Vielleicht willst du deinem Gegenüber noch eine Lektion erteilen.

Du verlängerst damit eine ohnehin brenzlige Situation.

Und riskierst dabei deine Gesundheit oder sogar dein Leben.

Selbstverteidigung ist keine Bestrafung.

Es geht nicht darum, Recht zu behalten.

Es geht nicht darum, Überlegenheit zu demonstrieren.

Und es geht schon gar nicht darum, deine Wut herauszulassen.

Dafür trainieren wir nicht.

Wir trainieren, um auch unter enormem Stress weiterhin handlungsfähig zu bleiben.

Um tatsächlich wahrzunehmen, was um uns herum geschieht.

Um zu entscheiden, wie wir am ehesten unbeschadet und schnell aus der Gefahrensituation kommen.

Dazu entwickeln wir im Training Automatismen.

Handlungen, die wir so oft trainiert haben, dass wir sie reflexartig abrufen können.

Kalte, emotionslose Automatismen.

Denn im Notfall benötigen wir vor allem einen klaren Kopf.

Selbst die beste Technik nützt uns wenig, wenn wir vor lauter Emotionen gar nicht mehr erkennen, wann wir sie einsetzen sollten.

Angst, Wut und andere Emotionen gehören zum Menschsein.

Wir können unsere Empfindungen nicht verhindern.

Aber wir können trainieren, uns nicht mehr von ihnen beherrschen zu lassen.

Selbstverteidigung bedeutet, die Kontrolle zu behalten.

Und deshalb verliert Wut.

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