Bequemlichkeit fühlt sich angenehm an.
Sie spart Zeit.
Sie spart Kraft.
Sie spart Überwindung.
Deshalb mögen wir es einfach bequem.
Ich selbst bin monatelang nicht mehr in mein Lieblings-Fitnessstudio gegangen. Nicht, weil das Training dort schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil, das Clays in Zehlendorf gehört für mich zu den schönsten Studios in Berlin.
Der Weg war mir einfach zu weit geworden.
Heute trainiere ich wieder regelmäßig. Mindestens drei Mal pro Woche. Manche Woche werden es sogar sechs oder sieben Einheiten.
Nicht weil ich motivierter geworden bin.
Sondern weil „mein“ neues Studio nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt ist.
Manchmal entscheidet nicht der Wille über unser Handeln.
Sondern die Distanz.
Oder besser gesagt: unsere Wahrnehmung von Entfernung.
Beim Fitnesstraining zeigen sich die Folgen von Bequemlichkeit oft erst einige Jahre später.
Es gibt viele gute Studios. Wenn eines zu weit entfernt ist, findet sich meist ein anderes mit vergleichbarer Qualität und Ausstattung.
In der Selbstverteidigung sieht das ganz anders aus.
Realistisches Selbstverteidigungstraining findet man nur selten.
Sehr selten sogar.
Viele Angebote vermitteln Techniken.
Manche vermitteln Sport.
Einige vermitteln Show.
Nur wenige bereiten Menschen auf den Moment vor, in dem Angst, Stress und Gewalt jede Theorie verdrängen.
Deshalb lohnt sich auch ein weiterer Weg.
Eine Stunde mehr Fahrtzeit pro Woche ist kein Verlust.
Sie ist eine Investition.
Fitnesstraining verbessert deine Gesundheit.
Selbstverteidigung kann darüber entscheiden, ob du nach einer Gewalttat überhaupt noch gesund nach Hause gehst.
Deshalb sollte Bequemlichkeit niemals entscheiden, wo du Selbstverteidigung lernst.
Ein kurzer Weg ist angenehm.
Ein empathischer Trainer ist essenziell.
Ein realistisches Training ist ausschlaggebend.
Und deine Sicherheit sollte dir wichtiger sein als deine Bequemlichkeit.
Bequemlichkeit existiert nur im Kopf.
Nicht die Entfernung hält uns auf.
Sondern die Hürden, die wir uns wegen der Entfernung einreden.
Der kürzeste Weg ist deshalb nicht immer der beste.
Manchmal führt eben nur der längere Weg sicher ans Ziel.
