Kontrollzentrum Kopf

Der Kopf ist das Kontrollzentrum deines Körpers.

Darin entstehen deine Gedanken.

Darin fallen deine Entscheidungen.

Darin beginnt jedes Handeln.

Wer seinen eigenen Kopf nicht kontrolliert, wird leichter von seinen Emotionen beherrscht.

Von Angst.

Von Wut.

Von Unsicherheit.

Von Stress.

Deshalb beginnt Selbstschutz im Kopf.

Es gibt einen Satz, den ich im Training oft wiederhole:

Wo der Kopf hingeht, geht der Körper hin.

Wer den Kopf bewegt, verändert Balance, Haltung und Bewegung des gesamten Körpers.

Der Kopf führt.

Der Körper folgt.

Dieses Prinzip begegnet uns ständig.

Im Alltag.

Im Sport.

Und natürlich auch in der Selbstverteidigung.

Der Kopf ist aber nicht nur das Kontrollzentrum unseres Körpers.

Er entscheidet auch darüber, ob wir uns von anderen kontrollieren lassen.

Menschen versuchen täglich, Einfluss auf die Gedanken anderer zu nehmen.

Durch Bewertung.

Durch Abwertung.

Durch Angst.

Durch Druck.

Durch Schuldgefühle.

Durch Einschüchterung.

Durch Manipulation.

Wer seine Gedanken selbstbewusst steuert, bleibt schwerer beeinflussbar.

Selbstbewusstsein und Resilienz entstehen nicht einfach so.

Sie wachsen mit Erfahrung.

Mit Training.

Mit bewussten Entscheidungen.

Der Kopf hat jedoch noch eine weitere Bedeutung.

Er ist der empfindlichste Teil unseres Körpers.

Deshalb lernen wir im Training, ihn zu schützen.

Und wir lernen zu verstehen, welche besondere Bedeutung der Kopf in einer körperlichen Auseinandersetzung besitzt.

Nicht um Gewalt zu suchen.

Sondern um Gewalt zu überstehen.

Selbst Schmerzen existieren nur im Kopf.

Erst unser Gehirn entscheidet, wie wir sie wahrnehmen und mit ihnen umgehen.

Wir trainieren eben nicht nur unseren Körper.

Wir trainieren unter Belastung.

Wir trainieren unter Stress.

Wir trainieren mit Schmerz.

Wir trainieren durch Abhärtung.

Wir trainieren Wahrnehmung.

Wir trainieren Haltung.

Wir trainieren Resilienz.

Unser Training fördert deine Fähigkeit zu handeln, zu entscheiden und Widerstand zu leisten.

Denn am Ende entscheidet nicht nur deine Kraft.

Sondern vor allem dein Kopf.

Training wirkt.

Jedes Training wirkt.

Nicht irgendwann.

Sondern von Beginn an.

Vielleicht nimmst du es zuerst nicht wirklich wahr.

Du stehst aufrechter.

Du gehst sicherer.

Du atmest ruhiger.

Du beobachtest aufmerksamer.

Du lebst bewusster.

Mit jeder Trainingseinheit veränderst du dich.

Du stärkst nicht nur deinen Körper.

Der gewöhnt sich an Anstrengung.

Sondern auch deinen Kopf.

Der entscheidet, ob du zum Training gehst.

Du lernst, unter Druck Entscheidungen zu treffen.

Du lernst, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.

Du erfährst, dass ein Fehler nicht das Ende, sondern der Anfang von Entwicklung ist.

Viele glauben, Selbstverteidigung beginne erst in dem Moment, in dem jemand angreift.

Das stimmt nicht.

Sie beginnt viel früher.

Im Training.

Dort entstehen die Automatismen, auf die du unter Stress zurückgreifst.

Nicht nur bei Gefahr.

Sondern auch im Alltag.

Du wirst bewusster.

Du erkennst früher.

Du bleibst ruhiger.

Du wirkst sicherer.

Andere Menschen nehmen wahr, wie du auftrittst.

Deine Außenwirkung verändert sich.

Genau deshalb verändert jedes Training Körper und Geist.

Nicht, weil es dich unbesiegbar macht.

Sondern weil es dir eben auch deine Verletzlichkeit zeigt.

Weil es dich Demut lehrt.

Und weil es dich trotzdem handlungsfähig werden lässt.

Jede Einheit wirkt.

Jede Wiederholung wirkt.

Jede Entscheidung, zum Training zu gehen, wirkt positiv.

Jede Entscheidung, nicht zu gehen, wirkt negativ.

Denn Training wirkt immer.

Ob du trainierst.

Oder nicht.

Dein Körper lügt nicht.

Dein Körper akzeptiert keine Ausreden.

Er lernt durch Wiederholungen.

Jede Bewegung, die du tausendmal trainierst, hinterlässt eine motorische Erinnerung.
Aus wiederholten Techniken werden Automatismen.
Aus Unsicherheit wird Handlungsfähigkeit.
Aus Nachdenken wird Reaktion.

Das nennt man Muskelgedächtnis.

Im Ernstfall denkt dein Körper nicht nach.
Er greift auf das zurück, was du ihm beigebracht hast.

Nicht auf das, was du gerne können würdest.

Sondern auf das, was du wirklich trainiert hast.

Deshalb entscheidet nicht der Tag des Angriffs über deine Reaktion.

Sondern die Tage, Wochen und Jahre davor.

Wer regelmäßig trainiert, reagiert oft schneller.
Bewegt sich meist besser.
Bleibt eher handlungsfähig.
Ist vorbereitet.

Viele Menschen hoffen, im Notfall über sich hinauszuwachsen.

Doch dein Körper lügt nicht.

Er ist der Spiegel deines Fleißes.

Unter Stress erfüllen wir selten unsere eigenen Erwartungen.

Die Realität offenbart die Wirkung unseres Trainings.

Sie verzeiht keine Ausreden.
Sie zeigt dir nur die Konsequenzen.

Bequemlichkeit ist keine Tat, sondern schlechter Rat

Bequemlichkeit fühlt sich angenehm an.

Sie spart Zeit.
Sie spart Kraft.
Sie spart Überwindung.

Deshalb mögen wir es einfach bequem.

Ich selbst bin monatelang nicht mehr in mein Lieblings-Fitnessstudio gegangen. Nicht, weil das Training dort schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil, das Clays in Zehlendorf gehört für mich zu den schönsten Studios in Berlin.

Der Weg war mir einfach zu weit geworden.

Heute trainiere ich wieder regelmäßig. Mindestens drei Mal pro Woche. Manche Woche werden es sogar sechs oder sieben Einheiten.

Nicht weil ich motivierter geworden bin.

Sondern weil „mein“ neues Studio nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt ist.

Manchmal entscheidet nicht der Wille über unser Handeln.

Sondern die Distanz.

Oder besser gesagt: unsere Wahrnehmung von Entfernung.

Beim Fitnesstraining zeigen sich die Folgen von Bequemlichkeit oft erst einige Jahre später.

Es gibt viele gute Studios. Wenn eines zu weit entfernt ist, findet sich meist ein anderes mit vergleichbarer Qualität und Ausstattung.

In der Selbstverteidigung sieht das ganz anders aus.

Realistisches Selbstverteidigungstraining findet man nur selten.

Sehr selten sogar.

Viele Angebote vermitteln Techniken.

Manche vermitteln Sport.

Einige vermitteln Show.

Nur wenige bereiten Menschen auf den Moment vor, in dem Angst, Stress und Gewalt jede Theorie verdrängen.

Deshalb lohnt sich auch ein weiterer Weg.

Eine Stunde mehr Fahrtzeit pro Woche ist kein Verlust.

Sie ist eine Investition.

Fitnesstraining verbessert deine Gesundheit.

Selbstverteidigung kann darüber entscheiden, ob du nach einer Gewalttat überhaupt noch gesund nach Hause gehst.

Deshalb sollte Bequemlichkeit niemals entscheiden, wo du Selbstverteidigung lernst.

Ein kurzer Weg ist angenehm.

Ein empathischer Trainer ist essenziell.

Ein realistisches Training ist ausschlaggebend.

Und deine Sicherheit sollte dir wichtiger sein als deine Bequemlichkeit.

Bequemlichkeit existiert nur im Kopf.

Nicht die Entfernung hält uns auf.

Sondern die Hürden, die wir uns wegen der Entfernung einreden.

Der kürzeste Weg ist deshalb nicht immer der beste.

Manchmal führt eben nur der längere Weg sicher ans Ziel.

Das Gift: Faulheit

Faulheit ist dein leiser Gegner.

Sie schreit nicht.

Sie bedroht dich nicht.

Sie greift dich nicht an.

Sie ist in dir und flüstert dir zu:

Heute mache ich mal eine Pause.

Morgen fange ich dann richtig an.

Ein Training weniger ist egal.

Genau darin liegt die Gefahr.

Faulheit wirkt nicht wie ein Schlag.

Sie wirkt wie ein Gift.

Langsam.

Unbemerkt.

Tag für Tag.

Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Ich kenne dieses Gift selbst gut.

Fast zehn Monate lang habe ich mein eigenes Fitnesstraining stark vernachlässigt. Natürlich war ich weiterhin auf der Matte. Ich habe unterrichtet, trainiert und Sparring gemacht.

Aber meine körperliche Fitness war offensichtlich schlechter geworden.

Auf der Matte hat mich vor allem meine Routine gerettet.

Der Körper funktionierte noch.

Die Techniken funktionierten noch.

Die Erfahrung war noch vorhanden.

Doch das Fundament fehlte.

Meine Belastbarkeit sank.

Mein Wohlbefinden verschlechterte sich. Geistig und körperlich.

Und ich musste feststellen:

Ich hatte mich an diese Bequemlichkeit gewöhnt.

Schaut euch das Bild zu diesem Beitrag an. Das bin ich. Kein perfekter Trainer, sondern ein Mensch, der beschlossen hat, den bequemen Weg wieder zu verlassen.

Diese Erkenntnis kam mir ausgerechnet in der Sauna.

Während ich schwitzte, entstand plötzlich ein Bild in meinem Kopf.

Ich schwitze gerade das Gift aus.

Das Gift, das Faulheit heißt.

Es infiziert nahezu alle Bereiche des Lebens.

Wer dauerhaft den einfachsten Weg sucht, verliert langsam die Fähigkeit, unbequeme Wege überhaupt noch zu gehen.

Selbstverteidigungstraining darf niemals bequem sein.

Denn die Realität ist im Notfall äußerst unbequem.

Eine kritische Situation fragt dich nicht, ob du heute willst.

Sie fragt auch nicht, ob du gestern trainiert hast.

Sie verlangt Leistung.

Sofort.

Deshalb muss man sich regelmäßig daran erinnern, dass Anstrengung nichts Negatives ist.

Anstrengung ist Training.

Anstrengung ist Entwicklung.

Anstrengung ist Leben.

Das gilt übrigens auch im klassischen Kampfsport.

Nach einer längeren Trainingspause müssen viele Wettkämpfer zunächst wieder Gewicht reduzieren und sich selbst disziplinieren.

Nicht, weil sie es nicht könnten.

Sondern weil sie sich erst wieder daran gewöhnen müssen, sich zu quälen.

Genau darin steckt eine wichtige Wahrheit.

Leistung beginnt oft dort, wo Bequemlichkeit endet.

Nach einer faulen Phase muss man nicht nur Muskeln aufbauen.

Man muss vor allem die richtige Mentalität und notwendige Disziplin zurückgewinnen.

Die Bereitschaft, wieder freiwillig das Unangenehme zu wählen.

Jede Trainingseinheit ist deshalb mehr als Bewegung.

Sie ist eine Entscheidung.

Eine Entscheidung gegen Bequemlichkeit.

Eine Entscheidung gegen Stillstand.

Eine Entscheidung gegen das Gift.

Der erste Gegner sitzt deshalb oft nicht vor uns.

Er sitzt in uns.

Nur dein Fleiß besiegt deine Faulheit.

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