Ich hatte schon des Öfteren Glück.
Meistens habe ich das allerdings erst hinterher realisiert.
In Situationen, in denen meine Automatismen funktionierten. In denen ich reagierte, ohne darüber nachzudenken.
Und in denen ich später erkannte:
Das hätte auch schlimmer ausgehen können.
Ich bin durch Schläge zu Boden gegangen und mit dem Kopf nicht so übel aufgeschlagen, dass es vorbei war.
Oder ich bin so gefallen, dass mich die örtlichen Gegebenheiten zunächst vor gefährlichen Tritten gegen meinen Kopf schützten.
Ein anderes Mal habe ich sofort instinktiv zugeschlagen.
Nicht nachgedacht.
Nicht geplant.
Einfach gehandelt.
Im Nachhinein stellte ich fest:
Es war genau der richtige Moment.
War das Können?
War das Training?
Oder war es einfach Glück?
Vermutlich von allem etwas.
Nur Glück kannst du nicht trainieren.
Du kannst nicht jedes Mal bestimmen, wie du getroffen wirst.
Wohin du fällst.
Was gerade im Weg steht.
Was dein Gegenüber als Nächstes macht.
Aber du kannst beeinflussen, wie gut du auf all das vorbereitet bist.
Du kannst immer weiter trainieren.
Bis aus bewussten Bewegungen Automatismen werden.
Bis dein Körper bereits reagiert, während dein Kopf noch verarbeitet, was gerade passiert.
Bis du unter Stress nicht mehr nach einer Lösung suchen musst, sondern deine Chance verbesserst, einfach zu handeln.
Das ist Selbstverteidigungstraining.
Training verhindert das Unglück nicht.
Training garantiert auch kein Glück.
Aber Training verändert die Wahrscheinlichkeit.
Je mehr du trainierst, desto mehr Erfahrungen sammelst du.
Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto mehr Handlungsmöglichkeiten stehen dir zur Verfügung.
Und je mehr davon unter Stress tatsächlich abrufbar sind, desto weniger bist du ausschließlich auf dein Glück angewiesen.
Vielleicht hatte ich also einfach Glück.
Vielleicht hatte ich aber auch Glück im Unglück, weil mein Körper bereits reagierte, bevor ich bewusst darüber nachdenken konnte.
Das eine schließt das andere nicht aus.
Im Gegenteil.
Manchmal braucht man trotz allem Training ein bisschen Glück.
Und manchmal muss man sich dieses Glück eben erarbeiten.
